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Cäsar
und Marie-Louise Ritz
von Louis Mettler
176 Seiten, 13x21cm, Jahrgang 2001
Erschienen im Verlag Brunner AG
Arsenalstrasse 24
CH-6010 Kriens
ISBN 3-905198-59-2
CHF 48.--
Einführung
Goms, die Heimat von Cäsar Ritz
Cäsar Ritz, Hotelier der Könige und König der Hotelier
Cäsar Ritz‘ Erbe
Einführung
Cäsar Ritz’ Lebensgeschichte vom Hilfskellner in Brig zum Direktor zahlreicher Luxushotels in Luzern, Cannes, Monte Carlo, Nizza, Rom, London und Paris liest sich wie ein spannender Roman.
Er kreierte die Soirées dansantes, gab rauschende Feste und unvergessliche Bankette in ausgeklügelten Bühnenbildern für die Hautevolee von Divas, Prinzessinnen, Fürsten und Königen. Den Walzerkönig Johann Strauss engagieren – den Hotelgarten für «Eine Nacht in Venedig» unter Wasser setzen – nichts war unmöglich. Ritz erfüllte seinen Gästen jeden noch so ausgefallenen Wunsch. Mit seinem Weggefährten und Meisterkoch Auguste Escoffier arbeitete Cäsar Ritz unermüdlich an seinem grossen Ziel: das Hotel als Gesamtkunstwerk.
Sein Vermächtnis wurde das Hotel der Hotels: das Ritz in Paris.
1902, im Zenit seines Schaffens, brach Cäsar Ritz zusammen. Er litt unter einer unheilbaren Geisteskrankheit und verbrachte 16 Jahre in einem tragischen Dämmerzustand. Seine Lebensgefährtin und Beraterin Marie-Louise Ritz übernahm als eine der ersten Hotel-Direktorinnen Europas 1903 das Hotelimperium ihres Mannes. Dieses Buch zeichnet zugleich ein Porträt von Marie-Louise Ritz, einer aussergewöhnlichen und starken Frau.
Cäsar Ritz (1850–1918) aus dem Gommer Bauerndörfchen Niederwald hat die Hotelwelt weltweit verändert. Er schuf neue Werte für Hygiene, Komfort und Eleganz, wie die indirekte Beleuchtung oder die historisierenden Dekors. Doch im Zentrum seines Lebens stand die Freundschaft zum Gast. Cäsar Ritz begrüsste alle persönlich und mit Namen. Er kannte ihre speziellen Wünsche und Vorlieben. Aus seinem Direktionsbüro gingen an alle Ritz-Hotels täglich Hunderte von Briefen wie: Madame X. kann Musik während des Essens nicht ausstehen, Lord A. wünscht ausschliesslich schwarze Kirschenkonfitüre, Monsieur B. schläft ohne Keilkissen…
Der Autor Louis Mettler thematisiert nicht nur die Geschichte der Hotel-Dynastie Ritz, er setzt sich ausführlich mit der Philosophie von Cäsar Ritz auseinander und beleuchtet die heutige Umsetzung. Mettlers Spurensuche führt uns über Paris und Genf zurück ins Goms zu den Anfängen des genialen Hoteliers.
Goms, die Heimat von Cäsar Ritz
Anlässlich des Jubiläums „150 Jahre Cäsar Ritz“ wurden im Goms, dem Hochtal zwischen Rhonegletscher und Aletschgletscher, zahlreiche Aktivitäten lanciert, welche die Philosophie von Cäsar Ritz als wertvolles Kulturerbe wieder aufleben lassen.
Seit Februar 2000 ist das kleine Gommer Bergdorf Niederwald der Ausgangspunkt für die zeitlose Gastgeber-Philosophie „Dienen kommt vor Verdienen“.
Cäsar Ritz, der im jugendlichen Alter aus dem damals armen Oberwallis in die weite Welt gezogen war, schaffte mit seinem „feu sacré“ in kurzer Zeit den steilen Aufstieg vom Küchenburschen zum Gründer zahlreicher Luxushotels. Paris verdankt ihm heute das „Ritz“ an der Place Vendôme und London sein
Carlton.
Seit Herbst 2000 bieten Ritz-Betriebe im Goms den „Ritz-Teller“, das „Ritz-Menü“ oder die „Ritz-Philosophie“ an.
Die folgenden Gommer Gastronomen verwöhnen den Gast im Sinne von Cäsar Ritz königlich
mit kulinarische Neuinterpretation, mit saisonalem, regionalem und kreativem Akzent.
Ritz-Teller: Hotel Landhaus Münster, Rest. St. Georg
Ernen, Hotel Walliserkanne Fiesch;
Ritz-Menü: Rest. Bächi Gluringen, Hotel Bellwald Bellwald, Hotel Tenne Gluringen;
Ritz-Philosophie: Alpenhotel Castle Blitzingen, Hotel Croix d’Or et Poste
Münster, Gasthaus Jägerheim Ausserbinn.
Die Aktivitätenreihe wurde mit der Herausgabe des Buches „Marie-Louis und Cäsar Ritz“
weitergeführt. Für 2002 ist die Eröffnung des Themenpfades „Cäsar Ritz“ zwischen Niederwald und Blitzingen
geplant.
Infos: Goms
Tourismus, 3984 Fiesch, Tel. 027 970 10 70, Fax 027 970 10 75,e-mail: tourismus@goms.ch
Cäsar Ritz, Hotelier
der Könige und König der Hotelier
1850 Caesar Ritz wird am 23. Februar als 13. und letztes Kind von Johann Anton Ritz und Krescentia, geb. Heiner, in Niederwald (VS) geboren. Er wächst in bescheidensten bergbäuerlichen Verhältnissen, jedoch im Wissen um die reiche geschichtliche Vergangenheit des Landes und seiner Familie auf.
1864 besucht er in Sion vermutlich eine Mittelschule, lernt Französisch und beginnt eine Lehre im Briger Hotel Couronne et Poste. Der Patron entlässt ihn nach kurzer Zeit mit dem legendären Satz „aus dir wird nie ein rechter Hotelier!“. Nach vorübergehender Anstellung im Briger Kollegium lockt ihn
1867 die Weltausstellung nach Paris. Er findet Arbeit als Schankbursche, Garçon und Portier und wird nach mehrmaligem Stellenwechsel als Kellner im Nobelrestaurant Voisin bald stadtbekannt („César le rapide“). Die Ereignisse von
1870 zwingen ihn vorübergehend zur Rückkehr in die Schweiz, doch schon
1872 ist Ritz wieder in Paris, diesmal als Maître d’hôtel im Luxushotel Splendide.
1873 im Jahr der neuen Weltausstellung, wechselt er nach Wien ins Restaurant Les Trois Frères Provençaux. Hier erwirbt er sich die lebenslange Sympathie des Prinzen von Wales (später Edward VII.), der ihm später den Titel „König der Hoteliers und Hotelier der Könige“ zueignen wird.
Zurück in der Schweiz lernt Ritz in Oberst Pfyffer von Altishofen einen lebenslangen Freund und Förderer kennen; der Ingenieur und Architekt macht ihn zum Direktor des Hotel National in Luzern. Gleichzeitig übernimmt er die Direktion des Rigi-Kulm-Hotels und macht sich mit der Leitung dieser beiden Häuser erstmals einen Namen. Im Winter führt er das Victoria in San Remo und die Grand-Hôtels von Nizza und Monte Carlo. In dieser Zeit kauft er zusammen mit einem ehemaligen Pariser Patron ein Hotel in Trouville (F). Das Unternehmen scheitert, doch macht er die kulinarische Entdeckung seines Lebens: Auguste Escoffier, wie Ritz hochbegabt, von unbändiger Schaffenskraft und seiner Zeit weit voraus. Er stellt ihn als Küchenchef für das Grand-Hôtel Monte Carlo und das Hotel National in Luzern ein.
1887 erwirbt Ritz das Hotel-Restaurant De la Conversation in Baden-Baden, dem bald weitere folgen.
1888 heiratet Ritz die knapp 21jährige, gebildete
und sprachgewandte Elsässer Hotelierstochter Marie-Louise Beck. Sie führt für ihn das Hotel de Provence in Cannes, begleitet ihren Mann jedoch auch auf vielen seiner unzähligen Reisen. Von den beiden Söhnen des Paares wird der 1891 geborene Charles Hotelier. Der jüngere René, der sich dem Schauspielfach zuwendet, wird den Eltern durch einen Unfall früh entrissen.
1889 Ritz lässt sich nach langem Zögern in London für die Leitung des Hotel Savoy verpflichten, mit der ausdrücklichen Bedingung, die Hälfte seiner Arbeitszeit für seine eigenen Betriebe einsetzen zu dürfen.
In den nun folgenden, fruchtbarsten und erfolgreichsten Jahren arbeitet er im Londoner Hotel Savoy mit Escoffier zusammen. Die beiden bauen oder sanieren und betreiben daneben jedoch noch zahlreiche andere Häuser und beraten Betriebsgesellschaften und Hoteliers in Europa und Amerika. Ritz absolviert in dieser Zeit ein ungeheures Arbeitsprogramm und ist zwischen London, Budapest, Kairo, Madrid, Paris und Frankfurt ständig von einer Baustelle, Gala-Eröffnung und prunk-vollen Feier zur nächsten unterwegs, sprüht dabei von Ideen, bildet einen ihm ergebenen Mitarbeiterstab heran, sichert die Finanzie-rung neuer Projekte und umsorgt seine Gäste – den europäischen Hochadel, Diplomaten, Künstler und Intellektuelle, und zunehmend auch amerikanische Industrielle und Financiers – oft persönlich und mit unnachahmlichem Stil.
1898 gründen Ritz und Escoffier die „Ritz Hotel Syndicate Limited“. Im gleichen Jahr richten sie an der Place Vendôme in Paris das zu jener Zeit luxuriöseste Hotel der Welt ein, das erste mit dem Namen Ritz, und kurze Zeit später das Hotel Carlton in London.
1902 Ritz erleidet einen physischen und psychischen Zusammenbruch, von dem er sich noch einmal erholt, bevor er sich ab 1903, erneut erkrankt und depressiv, allmählich aus allen Verpflichtungen zurückziehen muss. Seine Frau übernimmt viele seiner Aufgaben und steht bis zu ihrem Tod 1961 der „Ritz Development Company“ als Präsidentin vor, unterstützt von ihrem Sohn Charles, der lange Jahre das Ritz in Paris führt.
1905 Eröffnung des Ritz in London
1918 Wenige Monate nach seinem Sohn René stirbt Caesar Ritz am 24. Oktober in Küsnacht.
Cäsar Ritz‘ Erbe
1910 erwirbt eine amerikanische Gesellschaft das Recht, das „Ritz“ im Firmennamen zu führen.
1927 wird das bis heute legendäre Ritz-Carlton Hotel in Boston eröffnet. Es folgen Ritz-Carlton Hotels in New York, Philadelphia, Pittsburgh, Atlantic City und Boca Raton, die ihren Gästen nach dem Vorbild des Pariser Ritz exklusivsten Luxus und Service bieten. Nach dem Wall Street Crash müssen sie im Laufe der 30er Jahre wieder schliessen.
1940 existiert in den U.S.A. nur noch das Ritz-Carlton in Boston, dessen vermögender Besitzer es auf eigene Kosten weiterbetreibt.
1979 kauft der Ägypter Al Fayed das Ritz in Paris und erneuert es für rund 25 Millionen Dollar im Sinne seines Gründers.
1982 Mit der Zustimmung von Monique Ritz, der Witwe des 1977 verstorbenen Charles Ritz, nennt sich die Schweizer Hotelfachschule mit Schulen in der Schweiz, den USA und Australien, die sich auf Cäsar Ritz‘ Philosophie beruft, „Institut Hotelier César Ritz“.
1983 erwirbt der Immobilienhändler W.B. Johnson den Namen Ritz-Carlton und das Bostoner Ritz-Carlton Hotel in der Absicht, die luxuriöseste Hotelkette der Welt zu begründen.
1998 wird die Ritz-Carlton Hotelkette, der jetzt weltweit 36 Hotels angehören, an Marriott International verkauft, eine der grössten Hotelgesellschaften der Welt mit 1‘700 Hotels und einem Umsatz von 8 Mrd. US$.
1999 nennt die Homepage der Ritz-Carlton Company neben 44 Stadthotels und 11 Beach Resorts die Namen weiterer 7 Resorts und 9 Hotels, die demnächst eröffnet werden. Obwohl die „bescheidensten“ Zimmer in einem Resort 215 US$ pro Nacht kosten, ist die Auslastung weltweit hervorragend.
Vom Pariser Ritz, wo es heute Suiten für über 8000 US$ gibt, hiess es schon früher „If you have to ask the price, you probably can’t afford it“ („Wenn Sie nach dem Preis fragen müssen, können Sie es sich wahrscheinlich nicht leisten“). Neben vielen anderen Berühmtheiten logierten Coco Chanel und der Duke of Windsor, Roosevelt, Chaplin, Valentino und die Garbo zeitweise im Ritz, Audrey Hepburn und Cary Grant drehten hier „Liebe am Nachmittag“, und Hemingway, lange Zeit Stammgast, behauptete von sich, 1944 die Bar des Pariser Ritz (seither Hemingway-Bar) „von den Deutschen befreit zu haben“. In kaum einem andern Hotel dürfte soviel berühmte Literatur und Musik entstanden sein wie im Pariser Ritz. Doch inspirierend wirkten alle Hotels, die Cäsar Ritz betrieben hat, und viele gehören bis heute zur internationalen Spitze.
Die Erfolgsprinzipien von Cäsar Ritz ...
• Ritz strebte danach, Hotels so auszustatten, dass auch der königliche Gast nichts vermisste und sich wünschte, es zuhause auch so schön zu haben.
• Er sorgte für den absoluten Schutz des Privatbereichs seiner Gäste.
• Höchsten Wert legte er auf erstklassigen, individuellen Service, notierte die Vorlieben seiner Gäste und informierte darüber fortlaufend alle Betriebe, mit denen er zusammenarbeitete.
• Als elektrisches Licht aufkam, entwarf Ritz Lampenschirme, die das Licht der nackten Birnen dämpften, und experimentierte ausgiebig mit indirekter Beleuchtung.
• Er stattete als erster jedes Gästezimmer mit einem privaten Bad aus, und später jedes Badezimmer mit einem Telefon.
• Er bot in seinen Häusern eine frische Gourmet-Küche nach Auguste Escoffier an. Der “Service à la Française“ (alle Gerichte werden gleichzeitig serviert) wurde durch den „Service à la Russe“ (ein Gang wird nach dem andern serviert) abgelöst, die „table d’hôte“ ersetzte Ritz durch die gesprächsfreundlicheren runden 8er Tische und in den Restaurants führte er den „Service à la carte“ ein.
• Die heute verbreitete Einrichtung unterirdischer Vitrinen- und Ladenstrassen geht auf eine Anregung von Ritz zurück, die bei der Vergrösserung des Ritz in Paris erstmals verwirklicht wurde.
... und die Ritz-Carlton Hotels
Die Führungsprinzipien der Ritz-Carlton Hotels gehen weitgehend auf Cäsar Ritz zurück. Service ist das oberste Gebot, und zwar Service mit Wärme, denn „Elegance without warmth is arrogance“, so Horst Schulze, CEO der Ritz-Carlton Company L.L.C. in Atlanta. Die weltweit 15'000 Angestellten (mehr als zwei pro Gästezimmer), die nach strengen Auswahlverfahren und intensiver Schulung eingestellt werden, sind stolz auf ihre „Gold Standards“ und ihr Credo „We are ladies and gentlemen serving ladies and Gentlemen“. Sie werden jährlich 120 Stunden geschult – womit die Ritz-Carltons auch in dieser Hinsicht eine Spitzenposition einnehmen - und jeder einzelne trägt so viel Verantwortung wie möglich. So wird z.B. in den Restaurants die Speisekarte vom Servicepersonal komponiert, das bekanntlich am besten weiss, was die Gäste bestellen.
Anton Herbert Honegger
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